Ich bin der Kaffeeautomat im Eingangsbereich der vhs Landkreis Gießen. Nichts Besonderes, wirklich nicht – Edelstahl, ein paar Knöpfe, ein leises Brummen.
Aber ich stehe hier mitten im Gewusel und sehe mehr, als man denkt. Tag für Tag darf ich miterleben, was diesen Ort ausmacht.
Morgens kommt Leben in den Raum. Der Chef taucht manchmal mit seinem vollgestopften Notizbuch auf, nimmt sich schnell einen Tee und verschwindet wieder – meist mit einer neuen Idee im Gepäck. Kurz darauf balancieren Kolleginnen aus der Verwaltung Kursunterlagen, werfen einen Blick auf ihre To-do-Listen und entlocken mir im Vorbeigehen einen Kaffee, bevor sie sich freundlich der nächsten wartenden Teilnehmerin zuwenden. Zwischen all den Stimmen huschen die Fachbereichsleitungen vorbei, gedanklich bereits bei den Terminen, die der Tag noch bringen wird, während der Hausmeister leise die Räume vorbereitet und die Kulturförderung schon wieder über Pläne für die nächste Veranstaltung nachdenkt.
Zwischen all dem Alltagsgewusel halten Dozentinnen und Dozenten am Monitor inne, prüfen, in welchem Raum ihr Kurs heute stattfindet, und drücken auf Cappuccino. „Heute wird’s gut“, murmeln sie oft – ein Satz, der nach Aufbruch klingt, nach Hoffnung, nach einem Tag, an dem etwas Neues beginnt.
Auch die Teilnehmenden ziehen durch den Raum. Manche tragen ihre Yogamatten unter dem Arm, atmen tief ein, halten kurz inne, bevor sie sich Tee oder heiße Schokolade holen – ein Moment, der Körper und Seele gut tut. Andere sitzen mittags mit einer Suppe vor mir und flüstern leise neue Wörter, die sie gerade gelernt haben. Erst zögerlich, dann mutiger, bis ein kurzes Lachen die Luft erfüllt: „Jetzt hab ich’s!“
Die kleinen Begegnungen wachsen wie unsichtbare Fäden zusammen. Zwei Menschen, die sich ohne den Kaffee nie getroffen hätten, stehen nebeneinander, reden über das Wetter, dann über den Kurs – und plötzlich über das Leben. Eine Kursteilnehmerin mit Farbflecken an den Fingern betrachtet ihre Hände, während sie auf ihren Kaffee wartet, und sagt staunend: „Ich wusste gar nicht, dass ich sowas kann.“ Ein Senior aus dem Smartphone-Kurs zeigt stolz sein erstes Selfie und lacht dieses junge Lachen, das manche irgendwann verlieren – und dann wiederfinden.
Fast täglich wird hier aus einer Tasse Kaffee mehr als nur ein Getränk. Fremde werden zu Bekannten, flüchtige Begegnungen zu kleinen Abenteuern des Alltags. Pläne entstehen, ein nächstes Treffen wird verabredet, ein gemeinsamer Kurs beginnt, ein kleines Stück Welt wird erweitert.
Ich bin eine Maschine. Ich habe keine großen Gedanken. Aber ich habe begriffen: Hier geht es nicht nur um Kurse. Hier kommen Menschen an.
Und jeden Tag, still und ganz selbstverständlich, passiert genau das: Menschen entdecken Neues, treffen aufeinander und geben voneinander weiter, was sie bewegt. Egal ob Mitarbeitende, Kursleitungen oder Teilnehmende – alle erleben hier hautnah, was unser Motto lebendig macht:
Lernen. Begegnen. Austauschen.


